News / wp WP-01.12.2005 "Wir wollen das Zentralbad nicht"

"Wir wollen das Zentralbad nicht"

01.12.2005 / LOKALAUSGABE / HAGEN

Hohenlimburg. Die Botschaft der Hohenlimburger Bürgerinnen und Bürger sowie die der Vereinsvertreter und der politischen Mandatsträger an die Verantwortlichen der HagenBad und somit auch an den Rat der Stadt Hagen war eindeutig: "Hohenlimburg möchte das neue Zentralbad nicht!"

Es war am Mittwochabend die erwartet emotionale und engagiert geführte Informationsrunde im Hohenlimburger Rathaussaal, zu der Hagenbad geladen hatte.

Es war im gesamten Stadtgebiet die dritte Gesprächsrunde (von vier Abenden) und die bislang am besten besuchte. 200 Hohenlimburger waren erschienen und "watschten" den HagenBad-Projektleiter Hubertus Kleinsorge ordentlich ab. Der zeigte Nehmerqualitäten, konnte aber mit seiner verzweifelten Werbekampagne für das 25 Millionen Euro teure Allwetter-Objekt bei den Hohenlimburgern keinen Blumentopf gewinnen.

"Wir werden das Zentralbad am Ischeland nicht besuchen", lautete die klare Absage der Hohenlimburger an Hubertus Kleinsorge, die sogleich ankündigten, in Zukunft lieber das im Dunstkreis des Kirchenbergbades gelegene Letmather Aquamathe aufsuchen zu wollen. Das sei näher und auch preisgünstiger - und vor allem nicht in Hagen!

Zu Beginn des Diskussionsabends präsentierte Kleinsorge die verschiedenen Varianten und Denkmodelle, wie sich die zukünftige Hagener Bäderlandschaft gestalten könne. Dabei machte er deutlich, dass an allen Ecken und Enden gespart werden müsse. Der Rat der Stadt hat der HagenBad bei einem tatsächlich vorhandenen Bedarf von fünf bis sechs Millionen Euro jährlich nur einen Zuschuss in Höhe von drei Millionen Euro zugebilligt. Zusätzlich, so musste Kleinsorge einräumen, bestehe ein Investitionsbedarf von rund 16 Millionen Euro, um die maroden Bäder zu sanieren.

Deshalb sei ein neues Zentralbad mit einer ebenso großen Wasserfläche wie gegenwärtig alle Hagener Bäder zusammen aufweisen, die wirtschaftlichste und somit sinnvollste Lösung. Gleichzeitig sei es ganzjährig nutzbar, für die Vereine wettkampfgerecht, für Schulschwimmen prädestiniert und behindertengerecht.

Auffällig sei auch, dass, so eine Erhebung, viele Hagener in den zurückliegenden Jahren in die Bäder der Nachbarstädte "abgetaucht" seien. Diese Gäste gelte es nach Hagen zurück zu holen.

Danach hieß es, brillant moderiert von der Dortmunderin Petra Voßebürger, "Feuer frei" für die Hohenlimburger Bürger. Und die hatten so machen Pfeil im Köcher.

Zunächst stellte Frank Schmidt die Arbeit und - daraus abgeleitet - die Erkenntnisse der Bürgerinitiative "Ja zum Kirchenberg" vor, die alle Varianten durchleuchtet und Perspektiven fürs Kirchenbergbad entwickelt hatte. Möglich sei auch ein kleines Hallenbad oder eine neue Traglufthalle.

Alexander Pieper (FDP) monierte, dass im Zentralbad wohl kaum ein geregeltes Miteinander von Schülern sowie Vereinsschwimmern - zusammen 144 325 (!) Nutzer - verwirklicht werden könne. Er wunderte sich auch über den gewaltigen Sanierungsbedarf für Hohenlimburg (2,1 Mio. Euro). "Dieser kann wohl kaum von heute auf morgen entstanden sein."

Peter Leisten (CDU) zeigte sich enttäuscht vom Kleinsorge-Vortrag. Er wies auf die Schräglage der Argumentation bei den Besucherzahlen hin. "Hohenlimburg ist vier Wochen später eröffnet, dafür aber früher geschlossen worden. Dieser Zahlenvergleich mit allen Bädern ist deshalb Unsinn."

Gar nicht einverstanden war Hannelore Brödemann mit der zukünftigen Konzeption des Schulschwimmens. Sie zweifelte an, dass es möglich sei, dieses in einem Zentralbad zu realisieren. "Mit den Grundschulen ist nicht gesprochen worden", kritisierte die Leiterin der Grundschule Reh, die auch auf die Mehrbelastung für die Lehrer hinwies. "Wer bezahlt die Lehrerstunden für den Transport?"

Hart ging auch Hagens Wirtschaftsförderer und Geschäftsführer des SPD-Ortsvereins, Frank Röhling, mit den HagenBad-Verantwortlichen ins Gericht. "Ich hatte hier eine geballte Information erwartet. Doch diese Veranstaltung ist unprofessionell vorbereitet. Der Informationsgehalt ist absolut mies."

Die Situation der Jugendlichen sprach Monika Kostewitz an. "Hohenlimburg ist in zwei Stadtteilen ein Armutsgebiet. Ist es sinnvoll, diese Jugendlichen bei 30 Grad in den Bus zu setzen, damit sie nach Hagen zum Schwimmen fahren?"

Dazu passten die Bedenken von CDU-Ratsherr Willi Strüwer, der die Kosten für die Familien ansprach. Der Preis für eine Tageskarte werde bei 11,50 Euro liegen. Deshalb sei für viele Familien der Badespaß nicht mehr zu finanzieren. Zumal noch die Fahrtkosten hinzukämen.

Immer wieder drehte sich am Mittwoch die Diskussion um die Besucherzahlen und die vorhandenen Beckenflächen. So sollen die Schüler von 70 Schulen im Zentralbad schwimmen lernen, zusätzlich sich 87 000 Hagener Wassersportler in den Becken tummeln und sich rund 400 000 potenzielle Schwimmer vergnügen. Hubertus Kleinsorge blieb bei seiner Meinung ("das Schulschwimmen ist gesichert"); die Hohenlimburger bei ihrer: "Wir wollen das Zentralbad(-Konzept) nicht."

Konträrer geht s kaum. Aber das war eigentlich auch nicht anders zu erwarten . . .

Von Volker Bremshey

Quelle: http://www.westfalenpost.de

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